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interkulturelles Schulprojekt in Brühl

KONTUREN Bruehl
Das Jugendpprojekt von
KONTUREN – internationales Konzert- und Meisterkursfestival

Das internationale Kammermusik- und Meisterkursfestival KONTUREN führte erstmalig ein breit angelegtes interkulturelles Schulprojekt in Brühl durch. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und organisiert vom arcano Künstlersekretariat unter der Leitung von Susanne Geer wurden insgesamt sechs Workshops zum Thema „Identität – Exil – Aufbruch – Integration“, angeboten. An vier verschiedenen Schulen und ebenso vielen unterschiedlichen Schultypen in Brühl konnten die Jugendlichen im Dialog mit den Profis klassische Musik hautnah erleben. Die Struktur der Workshops erforderte eine langfristige Vorarbeit und stieß auf reges Interesse bei Lehrern und Schülern.

 

An der Gesamtschule Brühl, der Hauptschule Brühl, der Erich-Kästner Realschule und dem Max Ernst Gymnasium wurde mit einzelnen Musikkursen und in sehr direktem Kontakt mit den Schülern zunächst das Werk Kontraste von Béla Bartók vorgestellt und interpretiert. Schwere Kost für die klassik-unerfahrenen jungen Leute. Und doch zeigte sich: Musik ist eine Sprache, die kultur- und generationenübergreifend verstanden wird. Eric Schumann (Violine), Gottlieb Wallisch (Klavier) und Ralph Manno (Klarinette) sind drei professionelle und international tätige Künstler, deren eigene Herkunft multikulturelle Züge aufweist. „Mit unserer Herkunft und dem ausgewählten Stück verbinden wir insgesamt acht Länder und acht Kulturen, und Musik ist die Sprache, mit der wir uns alle verstehen“, erklärte Ralph Manno den Schülern. Anhand von Bartóks Leben als jüdischer Emigrant in den USA lässt sich aufzeigen, wie sich Heimatgefühle und konkrete Lebenserfahrungen in Musik ausdrücken können. 


Bartók erzählt eine Geschichte in Tönen und – darin waren die jungen Leute aller Schulen sich einig – die Stimmungen, die der Komponist zeichnet, sind wahrnehmbar, berühren und regen zu Assoziationen an. So war denn der Ansatz der Musiker auch ein assoziativer, denn die Schüler waren aufgefordert, zum Gehörten Begriffe zu nennen und aufzuschreiben. Spontan und schnell schossen die Finger in die Höhe und jeder wollte seine Ideen loswerden. „Ihr kommt alle dran“, beruhigte Ralph Manno, künstlerischer Leiter der Festivals, die hochmotivierten Schüler. So erschloss sich ihnen die Musik zunächst über das reine Hören, um dann auf der Grundlage der Assoziation ein wenig Musikgeschichte und Instrumentenkunde zu betreiben. In Fragerunden hatten die Schüler die Gelegenheit, den Musikern auch private Fragen zu stellen, was in allen Fällen auch lebhaft genutzt wurde.


Den krönenden Abschluss fand das Projekt in einem moderierten Konzert für alle Schüler in der Aula der Realschule. Etwa 90 Schüler kamen zusammen und durften am Vormittag des 11. April einmal „Schule im Konzertsaal“ erleben.
Nach der Darbietung des Divertimento KV 138 F-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim und nach einer kleinen Einführung durch Kalle Pchalek, der durch den Workshop führte, hatten zwei Schüler die Gelegenheit, auf der Bühne Interviews mit den Musikern durchzuführen. Die Schüler wollten wissen, aus welchen Ländern die Musiker kommen, wohin sie reisen, ob es Spaß macht, in einem Orchester zu spielen, wie viel Geld ihre Instrumente kosten und vieles mehr. Ein kleines Wunschkonzert gab der Pianist, der auf Zuruf der Schüler gewünschte Melodien spielte. So entstand ein spontanes Pottpourrie mit Motiven von Schwanensee bis „Fluch der Karibik“.


„Was ist die Aufgabe des Dirigenten im Orchester?“, fragt Sebastian Tewinkel, der Leiter des Orchesters. Um dies zu illustrieren, spielt das Ensemble das Lied „Auf der Schwäbischen Eisenbahn“ und demonstrierte, wie der Dirigent durch Tempo – und Dynamikveränderung verschiedene Züge darstellen kann. Die Schüler fordern ihn auf, mal einen ICE, mal einen Güterzug, eine Dampflok oder gar eine Schwebebahn auszudrücken und das Experiment gelingt. ‚Mutige vor‘ heißt es, als Teerwinkel die Schüler aufruft, selbst einmal den Zug zu steuern und drei junge Dirigenten wagen sich ans Pult.  


Kalle Pchalek schafft eine Überleitung zu Aaron Copland und seiner Geschichte als Musiker im Exil. Das Konzert für Klarinette, Streicher, Harfe und Klavier war eine Auftragskomposition für den reichen Amerikaner Benny Goodman, der mit dem Stück an seine technischen Grenzen kam. „Hohe Töne spielen ist so ähnlich wie Elfmeterschießen“, erklärt der Solist. „Wir Musiker können es, aber wenn‘s drauf ankommt und man Streß hat, schießt man daneben“.


In der Aula der Realschule herrschte gute Stimmung und die Schüler hatten viele Fragen. Dass ein Orchester, das international besetzt ist und viele Auslandsreisen unternimmt, froh ist, eine Sprache zu haben, die man überall versteht, wurde deutlich im Abschlussworkshop der KONTUREN. Um die Sprache der Musik zu verstehen, braucht man kein Lexikon und wer es schafft, sich auch einmal auf unbekanntes Terrain zu wagen, der kann nur gewinnen. Ganz sicher jedenfalls haben die jungen Hörer etwas gespürt von dem verbindenden und integrativen Geist der klassischen Musik.

 

Text: Christina Hartmann


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